Snow Leopard und das neue Gigabyte
Das neueste große Update für Apple’s Betriebssystem Mac OS X, Snow Leopard, ist seit 28. August erhältlich und ich habe es bei mir schon installiert. Bei diesem Versionssprung tat sich an der Oberfläche relativ wenig, unter der Haube jedoch wurde viel optimiert. Neben den vielen kleinen Verbesserungen findet sich auch ganz unauffällig eine Abwendung vom binären System bei der Speicherplatzberechnung.
Das klingt zuerst mal etwas Abstrakt, das zugrunde liegende Problem könnte pragmatischer jedoch gar nicht sein, es ist euch sicher schon mal begegnet. Sagen wir mal euer neuer MP3-Player hat 4 GB Speicher. Wenn ihr ihn nun am Computer anschließt werdet ihr sehen dass euer Betriebssystem (Snow Leopard ausgenommen) euch lediglich ca. 3,73 GB anzeigt und euch dabei nichts vorenthält. Euer MP3-Player hat nämlich tatsächlich nur 3,73 GB zur Verfügung.
Gigabyte aus Marketing-Sicht
Alle Speichermedien die wir heute kaufen können sind schlichtweg mit falschen Größenangaben versehen. Was ein Hersteller mit 4 GB meint sind 4.000.000.000 (also 4 Milliarden und somit 4 Giga ) Bytes. Tatsächlich braucht man jedoch 4.294.967.296 Bytes um tatsächlich 4 GB zu erreichen , nämlich 4 * 1024 * 1024 * 1024. Das Problem liegt also daran dass ein Kilobyte 1024 Bytes sind und nicht 1000, was die Plattenhersteller aber als “ihr” Kilo hernehmen. Ganz nach dem Motto: “Hey, wenn wir so rechnen dann kommt am Ende mehr Speicherplatz raus”.Furchtbar.
Apple’s “Lösung”
Da sich die falschen GB-Angaben schon über Jahre hinweg ziehen ist von den Herstellern sicher keine plötzliche Richtigstellung zu erwarten. Hier springt Apple in die Bresche und passt die Art wie Snow Leopard Kilo-, Mega- und Gigabyte berechnet einfach auf die der Hersteller an, rechnet also von nun an mit 1 Kilobyte = 1000 Byte statt wie bisher 1 Kilobyte = 1024 Byte. Jep. So, wenn das Herz aller Informatiker dann wieder in einem halbwegs normalen Tempo schlägt, betrachten wir die Sachlage mal ganz nüchtern und pragmatisch.
Vorteile (The Good)
- Man kauft 4 GB, man sieht 4 GB wenn man das Speichermedium anschließt. Das ist nicht zu unterschätzen. Das ist der Grund warum Apple das überhaupt gemacht hat. Schluss mit der Verwirrung.
- Aus heutiger Sicht, in der alle Herstellerangaben falsch sind, hat Apple im Sinne des Kunden gehandelt, den interessiert nicht wieviele Byte 1 Kilobyte ausmachen.
Nachteile (The Bad)
- Vergleichbarkeit mit anderen Systemen. Das fiel mir vor kurzem auf als ich jemandem sagen sollte wie groß eine Datei ist. Hmmm … naja bei mir ist es so und so viel, aber bei allen anderen ist es mehr.
Prinzipien (The Ugly)
- Es ist einfach falsch. Es ist so als ob wir sagen würden das 1 Meter plötzlich 1,1 Meter ist. Und das ganze nur weil es einem oder vielen Herstellern besser in den Kragen passt.
Fazit
Jeder kann sein eigenes Fazit ziehen, mir fällt es in diesem Fall gar nicht so leicht zu einem eindeutigen Schluss zu kommen. Einerseits hat Apple nachgegeben, sie haben gegenüber denen nachgegeben, die schon seit Jahren den Kunden wissend in die Irre führen, oder ihm zumindest mehr Speicherplatz vorgaukeln als es tatsächlich kauft. Apple hat sich somit wenn man will auf die dunkle Seite begeben, auf die Seite die den Kunden hinters Licht führt. Andererseits bewundere ich den Pragmatismus mit dem Apple dieses Problem angegangen ist, sie haben erkannt das von den Herstellern keine Änderung zu erwarten ist und somit keine Lösung in Sicht ist. Sie handeln also doch im Sinne des Kunden und wollen die Verwirrung endlich beenden. Bleiben da nur noch die quasi Inkompatibilitäten zu allen anderen Betriebssystemen. In der Praxis halten sich die Auswirkungen allerdings in Grenzen und es kann natürlich sein, dass andere Hersteller mitziehen, das wird erst die Zukunft zeigen.
Abschließend gesagt war es sicher ein mutiger Schritt den Apple hier begangen hat. Alle Informatiker gegen sich aufzubringen, denn prinzipiell ist was sie machen einfach falsch. Ich weiß nicht ob ich mich das an Apple’s Stelle getraut hätte. In der Praxis, auf einem Snow Leopard System, jedoch stellt sich das wohlig warme Gefühl ein, wieder eine kleine lästige Ungereimtheit losgeworden zu sein. Schön.

kai
01 Oct 2009 01:11
Ehrlich, mich nervt das auch mit den Herstellerangaben, aber ich habe mich daran gewöhnt, dass einfach weniger auf der HD ist.
Andererseits ist das wohl rein formal alles richtig, da offiziell
1 MB = 1000 KB
1 MiB = 1024 KiB
Insofern wäre es besser, Apple hätte sich dem Standard angepaßt und nicht den HD-Herstellern. Ich werde Probleme haben, wenn ich Kunden sagen soll, wie groß eine Datei ist.